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„Früher war alles besser!“ Manfred Rommel, Stuttgarts
Ex-Oberbürgermeister, meinte einmal, dass Nostalgie die Sehnsucht nach
Zuständen sei, wie sie früher auch nicht waren. Also alles vergessen, alles
zurücklassen, nur das neue goutieren?
Nein, sagt die Traditions-Brauerei Ganter, die seit über
140 Jahren in der Region zwischen Rhein und Schwarzwald, zwischen Lörrach und
Offenburg, wohlschmeckende Biere braut. Sie erinnert an eine beinah
„ur-deutsche“ Tradition: Den Stammtisch. Und während Philister abwertend über
„Stammtischparolen“ oder „Stammtischniveau“ spotten, denken die ambitionierten
Freiburger Brauer an Geselligkeit, Humor, offene Worte ohne Widerhaken, an Solidarität,
Gemeinsinn und den sozialen Treffpunkt. Stammtisch, das ist mehr als nur
Bierdunst und Zigarrenqualm, das ist eine Art Heimat, die verloren gegangen ist
und wieder entdeckt werden sollte. 
„Pro Stammtisch“ oder kurz „ProSt“ heißt die Aktion: Künftige
„Stammtischbrüder und -schwestern“ melden beim Wirt ihres Stammlokals den
Stammtisch an, der sich mindestens einmal im Monat treffen soll und dessen
Runde mindestens drei Teilnehmer hat – alle selbstverständlich über 18 Jahre.
Alle nötigen Informationen stehen in einem Flyer, der dem Wirt nach dem
Ausfüllen wieder zurückgegeben wird. Verbunden mit der Stammtischgründung sind
kleine Präsente, wie Bierpass, Stammtischaufsteller, Anstecknadeln und, und,
und – noch stehen nicht alle „Belohnungen“ fest. Und damit ein Stammtisch rege
besucht wird und nicht im eigenen Saft schmort, gibt es eine Internetplattform,
auf der nicht nur die Termine bekannt gegeben werden können, sondern auch Gäste
eingeladen werden können .(????)
Warum macht eine Brauerei das alles? Ziel ist, wieder
eine offene, muntere Gesprächskultur erstehen zu lassen, Motto: „Raus aus der
Stube, weg vom PC, rein ins echte, volle Leben!“ Und wer einmal einen Abend am
Stammtisch der „Allzeit-Räsonnierer“ oder der „Fröhlichen Programmierer“ – ein
Name ist geradezu Pflicht für einen Stammtisch! – verdiskutiert hat, der weiß,
wie kurzweilig, erhellend und angenehm so ein ungezwungener Treff ist.
Sie glauben das nicht? E.T.A. Hofmann war beispielsweise
Mitglied des „Literarischen Stammtisches bei Lutter und Wegner“ in Berlin,
Wilhelm Raabe war Mitglied der Braunschweiger „Akademischen Wurstekommission“,
Goethe besuchte den „Künstlerstammtisch“ in Weimar und in Dresden trafen sich
die Protagonisten der Revolution von 1848 später, in ruhigeren Jahren, regelmäßig
am „Verbrechertisch“. Der Stammtisch ist also ein pralles Stück deutscher
(Kultur-)Geschichte: Lasst ihn uns wieder herstellen! |